Die Welt feiert Hans-Dietrich Genscher

Barbara Genscher, Eduard Schewardnadse, Hans-Dietrich Genscher
Zu den Gratulanten gehörten neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) auch die einstigen Außenminister der USA und der ehemaligen Sowjetunion, Henry Kissinger und Eduard Schewardnadse. Als das Geburtstagskind zu "Wind of Change" von den Scorpions Einzug in den in den Parteifarben Blau und Gelb gehaltenem Festzelt hielt, tat er das auch in Begleitung unter anderem von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), EU-Kommissar Günther Verheugen (SPD), Ex-Innenminister Otto Schily (SPD), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Frank-Walter Steinmeier (SPD), Norbert Lammert (CDU), Udo Jürgens, Didi Hallervorden, Klaus Kinkel (FDP) und Sabine Christiansen.

Barbara und Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle
FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle hielt die Geburtstagrede und bedankte sich zunächst auch bei den ausländischen Gästen – auch die früheren Amtskollegen Genschers aus Frankreich, Polen, Italien, Dänemark, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei waren dabei – für „Ihren Beitrag zur Einheit unseres Vaterlandes“. Direkt an Genscher gewandt erklärte er: „Dass Deutschland bei der Einheit vertraut wurde, lag herausragend an dem weltweiten Vertrauen in Sie". Er beschrieb seinen Amtsvorgänger auch mit den Worten: "Frieden war immer Ihr oberstes Ziel, und Abrüstung war für Sie eine Herzensangelegenheit." Genscher habe Geschichte geschrieben „für die Liberalen, für Europa und für die Welt“, so Westerwelle, der sich bei dem FDP-Ehrenvorsitzenden auch dafür bedankte, was „Sie für mich in den letzten 27 Jahren getan haben.“

Angela Merkel und Hans-Dietrich Genscher
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankte sich bei Genscher: Sie erinnerte an die Wendezeit, als sie noch stellvertretende Regierungssprecherin der ersten und gleichzeitig letzten frei gewählten Regierung der DDR war. Damals habe sie einer Genscher-Pressekonferenz beigewohnt, und mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, wie die Journalisten die „Unbestimmtheit“ in den Aussagen Genschers mit „Zufriedenheit“ quittiert hätten. Das habe bei ihr "nachhaltige Wirkung auf ihrem eigenen politischen Lehrweg“ gehabt, erzählte Merkel mit einem Schmunzeln. Und noch einen Dank richtete sie an Genscher: „Dass ich hier stehen darf, hat ganz viel mit Ihnen zu tun.“ Sie wünschte sich: „Bleiben Sie uns als Berater erhalten.“
Die ARD-Moderatorin Christiansen führte anschließend durch einen Teil des Abendprogramms. In einer Podiumsdiskussion – auf Sesseln aus Genschers Geburtsjahr 1927 – tauschten sich die Ex-Außenminister und alten Weggefährten Henry Kissinger und Eduard Schewardnadse, Roland Dumas und Krzysztof Skuszweski mit Genscher unter anderem über die Wendezeit aus, als man die Zwei-plus-Vier-Verträge aushandelte. Einer der an diesem Geburtstagsfest gerne dabei gewesen wäre, um „diesen hervorragenden Menschen zu ehren“, fehlte in der Runde: Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow konnte krankheitsbedingt nur in einem Schreiben seine Hochachtung bekunden: "Du hast die Fähigkeit gezeigt, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen und die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. In den harten Zeiten des Kalten Krieges und der Spaltung Deutschlands warst Du immer bestrebt, eine ehrliche Politik zu betreiben, und hast Deine Mitbürger dafür begeistert. "
Gerne erinnerten sich alle vier Ex-Außenminister daran, dass Genscher seine Amtskollegen immer wieder in seine Heimatstadt Halle eingeladen hat. Schon bei der ersten Begegnung habe er diese Einladung ausgesprochen, amüsierte sich Kissinger. Schewardnadse kündigte an, sich zu revanchieren: Eigentlich habe er an Ort und Stelle ein Grußwort halten wollen, das hole er nun am Freitag in Halle nach. Er machte zugleich deutlich, dass Genscher "nicht nur ein großer Politiker, sondern ein echter Held" sei. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an Prag 1989: "Wenn wir Prag nicht gelöst hätten, hätten wir die Frage der deutschen Einheit nicht lösen können." Allen Gratulanten gemeinsam war die Würdigung des Beitrags Genschers zum friedlichen Wandel in Europa, zum Ende des Kalten Krieges und zur deutschen Einheit.

Udo Jürgens und Liselotte Pulver
Der Moderator Max Schautzer übernahm anschließend das Heft und begrüßte auch die Gäste, die nicht in der Politik zuhause sind: Lilo Pulver, Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmark, Vicky Leandros, Thomas Bach, Dieter Thomas Heck und Didi Hallervorden. Letzterer ist ein bekennender FDP-Sympathisant und hatte auch eine Erklärung dafür: „Die FDP macht aus immer weniger immer mehr, bis sie aus nichts alles macht.“ Damit erinnerte er an den schwierigen Wahlkampf 1982, als der FDP nur 3 Prozent zugetraut wurde und diese dann 7 Prozent der Wählerstimmen erreichte.
Udo Jürgens brachte dem Jubilar nicht nur seine Erinnerung, an deren erste Begegnung am 9.November 1989 in einer kleinen Kneipe in West-Berlin mit, sondern auch ein eigens für Genscher umgetextetes Geburtstagslied: „Das ist Dein Tag, dieser Tag der Blumen und Lichter. Fühl dich befreit, wie von Liebe getragen. Heut an dem Tag, den Du nie vergisst.“

Genscher bedankt sich für liberale "Familienfeier"
Genscher bedankte sich für die liberale „Familienfeier“. Er bedankte sich auch für Merkels Worte und merkte in Anspielung auf deren Anekdote an: „Meine Ratschläge waren freundlich gemeint, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie Bundeskanzlerin werden.“ Und noch einen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen. Er erinnerte an die erste Große Koalition von 1966 bis 1969 und erklärte: "Wir haben uns das drei Jahre angeguckt, und dann haben wir das beendet. Frau Bundeskanzlerin, Herr Vizekanzler, auch heute sind drei Jahre eine schöne Zeit." Abschließend erinnert er auch an ein anderes Geburtstagskind: „Unser Europa“, das am Sonntag 50 Jahre alt wird. „Glück auf und Frieden für unser Europa!“, gab Genscher den Gästen mit auf den Weg.
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